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#7 »Work in Progress«
by Petra Pandora Freimund & Owen Clark

Produktionen

Diese Mauer fasst sich selbst zusammen und der Stern hat gesprochen, der Stern hat auch was gesagt.

von Miroslava Svolikova
URAUFFÜHRUNG
 
Regie: Franz-Xaver Mayr
Bühne & Kostüme: Michela Flück
Dramaturgie: Anna Laner
 
Premiere am 13. Jänner 2017 / 20 Uhr

Gastspieltermine:

8. bis 9. Juni 2017 Dramatiker*innenfestival Graz
21. Juni 2017 Autorentheatertage 2017, Deutsches Theater, Berlin

Aufführungsdauer ca. 1 ½ Stunden, keine Pause

Ausschreibungen, Projektanträge, Bewerbungen, Evaluationen – das Leben von Freiberuflern, die doch eigentlich all ihren Elan und Idealismus in ihre jeweilige Kunst investieren wollen, ist oft undankbar und der Weg zu neuen Aufträgen führt durch einen Wust an Papierkram. Aber was bleibt einem schon übrig? Und so stellt auch der widerständige Geist seine Phantasie immer wieder unter das Kuratel von Wettbewerben.

In Miroslava Svolikovas absurder Farce mit dem prägnanten Titel »Diese Mauer fasst sich selbst zusammen und der Stern hat gesprochen, der Stern hat auch was gesagt« sind es drei Figuren, die sich ins finstere Herz der Antragsbürokratie vorwagen. Jeder von ihnen meint eine Ausschreibung gewonnen zu haben, die sie dazu verpflichtet – hoffentlich auch befähigt – eine Aufgabe zu übernehmen. Welche Aufgabe? Das wissen sie nicht. Eine wichtige eben, vielleicht die »wichtigste unserer Zeit«, wie eine Figur vermutet! Zu allem wild entschlossen, haben sie sich zusammengefunden, ausgerüstet, bewaffnet mit Sieben. Sieben? Wozu die Küchengerätschaften im Rahmen ihrer Mission gut sein sollen, ist ein weiteres jener Geheimnisse, mit denen sie sich am Anfang konfrontiert sehen. Dazu gehört auch die Frage, ob ein Teesieb zur Lösung der wichtigsten aller Aufgaben sachgerecht ist, oder ob riesenhafte Köcher vonnöten sein würden. Wieso gibt es aber überhaupt drei Sieger? War die ominöse Ausschreibung etwa ein Gruppenprojekt? Einer der drei weiß immerhin noch, dass irgendeine sagenumwobene Fortbildung der gemeinsame Grund für die Zusammenkunft sei.

Plötzlich finden Sie einen Zettel. Es ginge um »die Rettung der Onion«, aber die Handschrift ist sehr undeutlich und so ist die Verwirrung zunächst komplett. Als sich dann auch noch der Raum, in dem sich die drei aufhalten, als futuristisches Museum herausstellt, mitsamt einem Hologramm als Führer und reichlich skurrilen Exponaten, werden die Verhältnisse endgültig unübersichtlich…

Mit Miroslava Svolikova, geboren 1986 in Wien, betritt eine Spezialistin für verschrobenen Humor die deutschsprachige Theaterszene. Ursprünglich aus der Bildenden Kunst kommend, studierte sie Szenisches Schreiben im Lehrgang »Forum Text« von uniT Graz und gewann 2015 den Retzhofer Dramapreis für ihr Erstlingsstück »Die Hockenden «, ein Portrait einer von Stagnation und Frust geprägten Provinzlandschaft, das in der vergangenen Spielzeit am Burgtheater und am Schauspiel Leipzig zu sehen war. Für den Entwurf ihrer Farce wurde Svolikova mit dem Hans-Gratzer-Stipendium des Wiener Schauspielhauses ausgezeichnet. Sie hatte sich unter ca. 50 Bewerber*innen durchgesetzt. Fünf Autor*innen waren im Frühjahr 2016 zu einem Workshop unter der Leitung des Dramatikers Falk Richter eingeladen worden. Gemeinsam mit Richter und der Dramaturgie des Schauspielhauses wurde an den Texten gearbeitet, die später in Zusammenarbeit mit dem Max Reinhardt Seminar in Szenischen Lesungen öffentlich präsentiert wurden. Sowohl eine Fachjury wie auch das Publikum votierten im Anschluss für Miroslava Svolikova als Gewinnerin des von literar mechana gestifteten Werkauftrags.

Franz-Xaver Mayr, geboren 1986 in Hallein, studierte Regie an der Zürcher Hochschule der Künste. Für seine Diplominszenierung »Antigone« wurde er 2016 zum renommierten Körber Studio für junge Regie nach Hamburg eingeladen. Er inszenierte außerdem bereits am Theater Luzern und wird im Frühjahr 2017 am Theater Basel arbeiten. In der letzten Spielzeit gewann er gemeinsam mit Korbinian Schmidt zudem den Nachwuchswettbewerb des Theaters Drachengasse.

In einer Zeit, in der das Theater dringend politische Komödien brauchen kann, schafft Miroslava Svolikova ein Stück, das in seinem Humor an große Vorbilder des Absurden wie Beckett oder Pinter erinnert. Es ist eine Farce über die leider oft aussichtslose Sehnsucht von Menschen, die Welt durch Politik oder Kunst zum Positiven zu beeinflussen. Momentan scheint niemand ein wirklich probates Rezept zu kennen, mit dem wir aus der beinah unübersichtlichen Vielzahl politischer Krisen herausfinden könnten. Bleibt uns in der Absurdität unserer Zeit wenigstens der Humor?

Pressestimmen

„Ein oft schräger, mit Ironie gewürzter und humorvoller Abend, der politische, gesellschaftliche Fragen unserer Zeit tangiert.“ KURIER
 
„Dickes Theater! (...)  Regisseur Franz-Xaver Mayr setzt steile Behauptungen in schöne Irrtümer um. Eine Offenbarung zuzusehen. (…) Bald wird es klar: Hier läuft ein Spezialausbildungsprogramm mit dem Titel "problem und bewusstsein, lösungen und alles", nur wusste das bisher keiner. Das Seminar soll den Wunsch erzeugen – und jetzt kommt's – "die Onion zu retten"! (…) Ein dick gepolsterter Alptraum, eine faszinierende Aufführung DER STANDARD
 
„Regisseur Franz-Xaver Mayr lässt bei der Umsetzung dieses komplexen, absurden (und redundanten) Textes selten Langeweile aufkommen, fünf Schauspieler setzen ein aberwitziges Bewerbungsgespräch in einer seltsamen Art von Museum launig mit leichtgängiger Ironie um. Das Premierenpublikum war begeistert, es gab lang anhaltenden Applaus. Wohl zu Recht, die Ängste und Neurosen Jobsuchender erschließen sich via Farce.“ DIE PRESSE
 
„Was der Stern nicht gesagt hat, was aber trotzdem bleibt am Ende dieses in jeder Hinsicht beglückenden Abends: Auch gemeinsames Lachen solidarisiert.“ NACHTKRITIK

 „Sebastian Schindegger (…) führt die drei Kandidaten in komödiantischer Hochform durch ein fingiertes Museum, in dem auch Steine, Mauern und ein Stern zu Wort kommen. (…) Die Farce verzwirbelt unsentimental und mit viel Sprachwitz die Nöte des Kulturprekariats mit allerlei gesellschaftlichen Missständen.“   WIENER ZEITUNG

„Zu den Eigenheiten von Svolikovas Stück gehört die deformierte Sprache. Nach und nach schleichen sich Worte in den Text, die nicht ganz dicht sind. (...) Nach 90 rasanten, erfrischend durchgeknallten Minuten gibt es für das Ensemble wohlverdiente Entspannungszigaretten.“ THEATER HEUTE

"Eine herrliche, politische Farce (...) Ein treffendes Bild einer Europäischen Union, deren Existenz - wie selten zuvor - auf dem Prüfstand steht" AUGUSTIN